Panamericana 2013

… irgendwo zwischen Alaska und Feuerland

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Kampf mit dem Dachzelt

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“So ein scheiß blöder Mistkram. Was’n beklopptes Zelt!”, brüllt Jan.
“Wir machen besser keine große Reise, sondern eine Woche Urlaub und buchen direkt die Rückverschiffung!”.
Total entnervt haut er wütend auf den Zeltboden.

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Rumpelstielzchen! (Der Protagonist war mit der Veröffentlichung dieses Bilders nicht einverstanden 🙂 )

Eigentlich wollten wir schnell das Zelt zusammenklappen und frühstücken. Von schnell kann allerdings nicht die Rede sein und die unzähligen Mücken, die uns um den Kopf schwirren, machen es nicht leichter.

Kurze Erklärung zur Funktionsweise unseres klappbaren Dachzeltes, welches auf unserer Probetour in der Schweiz nahezu problemlos funktioniert hat:
Ich klettere aufs Autodach und während Jan die eine Hälfte des Zeltes von unten hochklappt, falte ich den Zeltstoff ordentlich zusammen. Zum Schluss kommt eine Plane drüber. Fertig.

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Rückblende: In der Schweiz hat alles super funktioniert.

Diesmal haben wir, außer dem Zelt, noch einen Reservekanister und einen Gleitschirm-Motor auf dem Dach. Somit ist der Dachträger schon gut beladen und für mich ist kaum Platz. Außerdem haben wir eine neue Matratze im Zelt, die 3 cm dicker ist als die Ursprüngliche, was das Zusammenklappen nicht erleichtert. Immerhin bietet sie uns einen besseren Schlafkomfort.

Um den Dachträger nicht noch mehr zu beanspruchen, will Jan versuchen das Zelt ohne meine Hilfe von oben alleine einzuklappen. Bei dem Test zu Hause, ohne Nässe, Wind und diese fiesen kleine Mücken, hatte es funktioniert.

Heute erweist es sich allerdings als widerspenstig. Der Zeltstoff legt sich überhaupt nicht gescheit zusammen und hängt an allen Ecken raus. „Die Plane passt niemals drüber“, denke ich mir und hole die Kamera raus.
Jan ist frustriert, weil es nicht klappt und ich, weil ich nicht helfen kann. Mir fehlen leider 10cm, um vom Boden aus helfen zu können. Letztendlich, nach einer ganzen Weile großer Anstrengung, ist das Zelt eingepackt. Zum Glück!

Das generelle Problem ist damit aber nicht gelöst. Wir fragen uns, wie wir das jeden Morgen machen sollen. So geht es definitiv nicht. Wir überlegen sogar, das Zelt abzumontieren und jeden Tag in unserem Bodenzelt, im Auto oder im Motel zu schlafen.
Bei dem enttäuschenden Gefühl kommen uns die wildesten Gedanken. Das Wetter unterstreicht die Dramaturgie: 11 Grad, grauer Himmel und überall Nebel.

Wir fahren bis zu einer der schönsten Sehenswürdigkeiten von Nova Scotia, dem „Five Island Park“. Nebelbedingt sehen wir außer einem Spielplatz und einem Leuchtturm nichts. Also brühen wir uns erstmal einen Kaffee und sortieren unser Gepäck im Auto.

Jede Schublade bekommt thematisch ein “Zimmer” zugeteilt. Somit haben wir je eine Schublade für Bad, Küche, Kleiderzimmer und Keller. Der Gleitschirm-Rucksack, unsere Trekking-Rucksäcke, Tisch, Stühle und Kameras bleiben erstmal oben auf der Ablage liegen.

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Große Umräum- und Sortieraktion. In Deutschland hatten wir vieles warlos ins Auto gestopft

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Das auf der Ablage über den Schubladen der Gleitschirm liegt, war geplant. Schlimm ist der zusätzlichen Keinklram

Außerdem versuchen wir auszumisten. Wir sortieren Hosen, T-Shirts, Drogerie-Artikel und alles mögliche aus und packen es in einen übrig gebliebenen Koffer. Wir nehmen uns vor, diesen Koffer vollgepackt in rund drei Wochen zurück nach Deutschland zu schicken.

Es fällt uns nicht leicht zu entscheiden welche Sachen weg können.
”Das brauch ich noch. Das vielleicht auch. Das erst wenn es kalt wird und wenn es heiß ist, dann könnte dies noch …”, denke ich bei fast allem, was ich anfasse. Dennoch füllt sich unser “Überfluss-Koffer” recht schnell. In den nächsten Wochen findet sich sicher noch mehr Kram, von dem wir uns trennen können. Spätestens wenn wir es bis dahin noch nie gebraucht haben, stehen die Dinge auf der Abschussliste.

Obwohl wir letztlich immer noch alles mit uns herum Gondeln, fühlen wir uns ein wenig befreiter. Passend dazu lockert der Himmel auf, die Sonne kommt zum Vorschein und Jan will direkt den Gleitschirm auspacken und los fliegen.
Doof, dass wir weder Öl noch Benzin dabei haben. Das Fliegen muss also leider verschoben werden, die Kulisse war aber perfekt.
Denn der Five Island Park heißt nicht ohne Grund so – Auf dem Meer sind fünf kleine Inseln zu erkennen, die verschleiert im tiefen Nebel liegen. Jan hätte beim Fliegen sicher super Fotos machen können. Egal, es gibt sicher noch genug Möglichkeiten.

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Wir fahren weiter der Küste entlang und finden total stressfrei einen Nachtplatz auf einer Wiese neben einem Museum, direkt vorm Meer. Trotz der Zeltprobleme heute früh, schlagen wir es erneut auf und entscheiden uns es morgen so zusammen zu klappen, wie ursprünglich gedacht: Ich muss in Zukunft doch wieder aufs Dach. Hoffen wir mal, dass das morgen besser klappt als heute.

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