Panamericana 2013

… irgendwo zwischen Alaska und Feuerland

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Paragliding in Seeley’s Bay

_MG_0783Wir dürfen noch eine weitere Nacht bei Rita und Walter nächtigen. Unser Cottage von vergangener Nacht ist ab heute vermietet, deshalb macht uns Rita rasch ein Anderes klar. Der nächste Tag ist leider trüb und regnerisch, also schreiben wir Berichte und
trödeln rum. Trotz dem gefühlten Nichts tun vergehen die Stunden schnell.

Der nächste Tag ist, anders als der Wetterbericht vorhersagt, sonnig und heiß. Jan nutzt also die Gelegenheit und wagt seinen ersten Flug. Der Parkplatz eines stillgelegten ‘Shopping Centers’ eignet sich gut zum Starten und auch unser Windsack zeigt günstigen Wind an. Es kann losgehen!
Zuerst muss der 20kg schwere Motor vom Dach. Während ich die Kamera hole, kümmert sich Jan um Käfig und Propeller, mischt das 2-Takt Öl mit dem Benzin, tankt und testet den Motor erstmal ohne Schirm. Der brandneue Gleitschirm-Motor der Firma Fresh Breeze braucht einige Startversuche bis er zum ersten mal Sprit zieht. Dann knattert er mit einem Mal lustig vor sich hin. Es sieht aus, als habe Jan schon ohne Schirm Spaß. Er gibt ordentlich Gas und testet wie stark der Motor schiebt.

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Ich werde nervös und frage mich: “Was von den vielen Schnallen am Gurtzeug muss eigentlich wohin? Ist der Propeller wirklich fest? Stimmt das Öl-Benzin-Gemisch und ist auch genug im Tank?”

Wir legen den Gleitschirm aus, testen die Funkgeräte, Jan macht sich startklar und ich werde, je länger es dauert, immer nervöser.
Als Jan endlich ready ist, hat sich zwischenzeitlich leider der Wind gedreht und nachgelassen, so dass er erstmal auf eine richtige Böe warten muss.
Ich stehe mit der Kamera bereit: Warte, werde nervöser und frage mich erneut ob auch wirklich alle Schnallen und Schnüre da sind, wo sie hingehören.
Dann endlich: Jan gibt Gas, rennt los, der Schirm hebt ab, stellt sich auf und Jan rennt.
Leider kommt der Wind von rechts, der Schirm fällt in sich zusammen und Jan muss den Startversuch abbrechen. Ich kann ihn fluchen hören “Man ich habs gewusst. Sowas passiert immer. Jetzt alles nochmal von vorne! So ein Sch*”

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Wir legen den Schirm aus, Jan sortiert seine Leinen erneut und wir warten auf Wind.
Diesmal klappt es super. Er hebt nach nur wenigen Schritten ab und fliegt. Es sieht toll aus, wie er dahin schwebt, aber dennoch habe ich ein ungutes Gefühl. Ich höre den Motor noch eine Weile, dann wird es leise. Wir verständigen uns mehr oder weniger verständlich per Funk und er lässt mich immer mal wieder wissen, dass alles OK ist.

Wenige Minuten später halten die ersten Autofahrer an und bewundern den großen Vogel. Ein kleiner Junge ist total begeistert und will unbedingt warten bis Jan gelandet ist. Nach 15 Minuten kreist Jan wieder über uns und ladet sanft auf der Wiese nebenan.
Da alles gut geklappt hat startet er ein zweites mal, diesmal mit der Kamera. Nach diesem Flug, kann auch ich sehen, wie die Landschaft von oben aussieht. Jan hat super tolle Fotos gemacht. Er ist selbst auch begeistert von dem Flug und erzählt, dass ihm der halbe Ort zugewinkt hat.

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Wir fahren zurück zu Sunny Acres um uns zu verabschieden und Bilder zu zeigen.
Rita und Walter sind begeistert ihr Anwesen aus der Luft zu sehen.
Aus ‘verabschieden’ wurde nichts. Niko und Anja sind bei Rita und Walter zu Besuch und wir werden einander vorgestellt. Die Beiden sind vor 10 Jahren von Deutschland nach Kanada ausgewandert.
Niko, der früher Ultraleicht geflogen ist, ist natürlich sehr interessiert an Jans Gleitschirmausrüstung und somit bleiben wir noch eine weitere Stunde ‘hängen’.

Niko und Anja wohnen in Kingston, einer laut Reiseführer schönen Stadt und unserem nächsten Ziel. Niko bietet uns an, vor deren Einfahrt zu übernachten, wenn wir in Kingston sind. Das machen wir natürlich sehr gerne, verabschieden uns von Rita, Walter und Jane und düsen nach Kingston zu unseren neuen Gastgebern.

Eine Ergänzung von Jan: 🙂
Ich bin nervös. Vor gut drei Jahren, während der Asien-Reise, hatte ich schon einmal eine komplette Motor-Gleitschirmausrüstung im Gepäck und außer Spesen war nix gewesen. In 14 Monaten bin ich 2x zum Fliegen gekommen. Grund war eine völlig falsche Zusammenstellung der Ausrüstung.
Schuld daran war ich ganz alleine: Mir wurde vorher dringend zu einer anderen Kombination von Gleitschirm und Motor geraten, aber ich wollte nicht hören.

Ich bin beharrlich. Auch diesmal ist die Flugausrüstung mit auf der Reise. Aber ich habe dazugelernt: Vor mir steht ein nagelneuen Motor von Fresh Breeze. Thorix heißt das gute Stück und ist wesentlich leichter als mein vorheriger Motor. Diesmal muss es einfach mit dem Fliegen klappen. Zudem nimmt die Flugausrüstung einen viel größeren Teil unseres Platzes im Auto ein…
Leider hatte ich vor der Verschiffung unseres Landcruisers keine Gelegenheit mehr die Ausrüstung zu testen. Fresh Breeze baute gerade einen neuen “Reisemotor” – extra kompakt, extra klein und leicht. Ideal für mein Vorhaben. Leider war der Motor zum Reisestart nicht fertig und wir mussten kurzfristig auf ein verfügbares Modell schwenken.

Der erst Startversuch missglückt, was im Grunde nichts schlimmes oder außergewöhnliches ist, macht mich aber noch nervöser. Doch der zweite und dritte Start klappt einwandfrei! Der Motor hat ein super Handling: Einige Kilo weniger auf dem Rücken machen sich sofort bemerkbar und auch der Flug ist angenehm ohne spürbares Drehmoment, dank ausgeklügelter Gurtzeugaufhängung.
Dem Flugabenteuer während unserer Reise steht also nichts mehr im Wege! 🙂