Panamericana 2013

… irgendwo zwischen Alaska und Feuerland

By

Treffen mit einem Goldgräber und faszinierende Nordlichter

Nordlichter!

Nordlichter!

Ab sofort geben wir wieder Gas, denn in 10 Tagen treffen wir meine Eltern und Schwester, die Urlaub in Kanada machen. Bis zum Treffpunkt sind es allerdings noch 2.800 km.
Nach einer Fahrt von 300 km erreichen wir Wawa und suchen einen Nachtplatz. Dort treffen wir Rudy der uns wegen dem deutschen Autokennzeichen angesprochen hat. Er kommt auch aus Deutschland, lebt aber seit 25 Jahren in Kanada.

Wir fragen ihn nach einer Idee für unseren Nachtplatz und erfahren, dass er hier nur sein Auto aus der Werkstatt abholt und in Marathon wohnt, einem Ort 200km westlich. Er kann uns zwar keinen Platz in Wawa empfehlen, bietet uns jedoch an, ihm nach Hause zu folgen und bei ihm in der Einfahrt zu parken.
Wir sind unschlüssig, denn 200km sind noch mal 2 Stunden Fahrt und es wird bald dunkel. Die Gefahr einem Elch, Fuchs oder Reh auf dem Highway zu begegnen steigt.
Da Marathon ohnehin auf unserer Route liegt, nehmen wir sein Angebot dennoch an und folgen ihm. Jan muss heftig auf’s Gaspedal treten, damit wir ihn nicht aus den Augen verlieren.
In der Dämmerung mit 110 km/h auf dem Highway und dem Wissen, dass ein Elch einfach aus dem Wald springen könnte, ist mir etwas mulmig zu mute. Ich sitze angespannt neben Jan und mein Blick sucht aufmerksam die Straßenränder ab.
Und dann kann ich meinen Augen nicht trauen. Da steht wirklich ein Elch!!! Zuerst sieht er irgendwie unecht aus. Er steht einfach neben der Straße, schaut in unsere Richtung (als würde er mich direkt angucken) und mampft vor sich hin. Er ist mit Moos bedeckt, groß, dürr und sieht alt aus. Für ein Foto ist es schon zu dunkel und für Rudy scheint das alltäglich zu sein; auch er hat das Tier entdeckt, schaltet kurz die Warnblinker ein, bleibt aber am Gas und düst unbeirrt weiter.
Ich bin ganz aufgeregt und kann es kaum glauben. Obwohl ich immer damit gerechnet habe, ist es ein komischer Moment, den Elch dann wirklich zu sehen. Keine 30 Minuten später sehen wir den Nächsten. Dieser ist allerdings ein wenig unentschlossen, rennt erst in Richtung Straße und entscheidet sich dann -zum Glück- schnell wieder in den Wald umzukehren.
Wir sehen zwei weitere Elche und zwei kleine Füchse am Straßenrand und sind begeistert. Trotzdem werden wir in Zukunft nicht mehr Nachts fahren, immerhin kann es genauso gut sein, dass eins der Tiere über die Straße rennt.

Als wir bei Rudy ankommen, parken wir neben seinem Haus und werden auf ein Bier zu ihm ins Haus eingeladen. Wir erfahren erst jetzt, von wem wir eigentlich eingeladen wurden – und zwar bei einem Goldgräber! Er arbeitete 20 Jahre in der Goldmine in der Nähe, erzählt er. Inzwischen hat er sich selbstständig gemacht. Er kraxelt fernab der Zivilisation durch dichte Wälder, die teilweise nur mit Hubschrauber oder Kanu erreichbar sind. Dort bohrt und gräbt er nach Steinen und bringt zuversichtliche Proben ins Labor. Hat er etwas gefunden, kauft er das Land von der Regierung und verkauft es an große Bergbau-Firmen weiter. Der Job sei hart, aber er mache das gerne. Er zeigt uns seine vielen Steinfunde, erzählt von seiner Familie und schwärmt von seiner Harley.

Harte Arbeit…

…wird belohnt. Rudy erhält den ‘Lifetime Achievement Award for outstanding Work as a Prospector in Northwestern Ontario’

Wir wollen gerade ins Zelt schlüpfen, als wir am Himmel Nordlichter entdecken.

Wir sind begeistert!

Nordlichter!

Damit haben wir hier nicht gerechnet.

Damit haben wir hier nicht gerechnet.

Nach weiteren 300km Fahrt, ist es an der Zeit die Autoreifen zu rotieren. Wir fragen bei Werkstätten nach den Preisen, finden aber alle zu teuer. Jan wechselt also kurzerhand selbst die Reifen und wir sparen 40 Dollar. Am Abend dürfen wir auf einem Motel-Parkplatz übernachten und planen unsere weitere Route.

Selbst ist der Mann!

Selbst ist der Mann!

Oh je. Hoffentlich hält der Wagenheber das.

Oh je. Hoffentlich hält der Wagenheber das.

Nach einer Stunde ist alles geschafft.

Nach einer Stunde ist alles geschafft.

Weiter geht die Fahrt. Fahren, fahren, fahren. 500km an diesem Tag. Daraufhin hat Jan Lust mal wieder zu fliegen und wir schauen uns in Kenora eine Wiese an, von welcher er morgen früh starten könnte. Die Wiese ist gegenüber eines Wohnhauses und wir bleiben nicht unentdeckt. Greg kommt auf uns zu. Zufälligerweise gehört ihm genau diese Wiese und er hat kein Problem damit wenn Jan hier startet. Er bietet uns außerdem einen Platz zum übernachten neben seinem Haus an. Super! Dann kann Jan morgen früh direkt los fliegen und wir haben, mal wieder easy einen Nachtplatz gefunden. Juhu!

Jan kommt leider nicht zum fliegen, der Wind ist zu stark. Wir machen uns also bereit für die nächsten 430km.

IMG_1966Wir entdecken die Husky Truck Stops (große Tankstellen) mit Duschen, besorgen uns eine Husky Card und sammeln ab sofort Punkte. Für 50 Punkten können wir einmal duschen – als Neukunde bekommen wir 700 Punkte gutgeschrieben, das sollte erst mal reichen. 🙂

Die nächsten beiden Tage sind noch mal Fahrerei pur. Wir legen 1.120 km zurück und kommen abends in Calgary an. Da wir in der Stadt sicher keinen Nachtplatz finden, parken wir 30 Minuten außerhalb auf dem Walmart Parkplatz. Morgens weckt uns ein starkes Klopfen am Zeltboden. Wir öffnen die ‘Tür’ und eine Frau vom Security Team erklärt uns, dass wir eigentlich nicht hier campen dürfen. Es sei kein Walmart Parkplatz, sondern gehöre zu einem Einkaufszentrum. Sie lässt uns noch ausschlafen, bittet uns aber heute Nacht woanders, z.B. beim Walmart weiter östlich, zu campen.
Wir haben strahlenden Sonnenschein und bummeln den ganzen Tag durch Calgary.

IMG_2013 IMG_2046
CameraZOOM-20130612123552708 _MG_1906
IMG_2008 _MG_1931
IMG_2094 _MG_1923
DCIM100GOPRO IMG_2077

Der Tipp mit dem Walmart im Osten erweist sich allerdings am Abend als Finte. Kaum haben wir uns ein nettes Plätzchen gesucht, kommt ein junger Mann auf uns zu und weisst uns mit französischem Akzent darauf hin, dass sie letzte Nacht auch hier schlafen wollten und unfreundlich verscheucht wurden. Da es in der Nähe nur windige und ominöse Plätze gibt, entschließen wir uns trotz einbrechender Dämmerung, weiter zu suchen.
An einem Best Western Hotel frage ich erfolgreich, ob wir uns für eine Nacht auf deren Parklatz stellen dürfen.