Panamericana 2013

… irgendwo zwischen Alaska und Feuerland

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Über Telegraph Creek und Whitehorse – zurück in Kanada

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Telegraph Creek. Leider ist davon nicht viel übrig.

Heute geht die Fahrt nach ‘Telegraph Creek’. In Dease Lake biegen wir in die 112 km lange, Schotter-Sackgasse ab. Immerhin haben wir das passende Auto dafür. Die Piste ist kein Problem, wo es geht, brettern wir wie die Ralleyfahrer durch den Wald, dennoch ist es auf die Dauer eintönig. Als wir endlich in Telegraph Creek ankommen, bin ich überrascht.

Ich hatte mir ein touristischen Ort vorgestellt; irgendwie sind wir anhand eines Reiseführers auf diesen Abstecher gekommen. Stattdessen erwarten uns alte, verlassene Häuser, Müll und Schrott in den Vorgärten, aber weit und breit keine Menschenseele.

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Da es schon spät ist wollen bzw. müssen wir heute Nacht hier bleiben. Ich finde den Ort unheimlich, aber uns bleibt nichts anders übrig. Wir fahren eine kleine Runde zum ehemaligen Ortskern, wo wir tatsächlich Menschen sehen! Ein junges Paar unterhält sich mit einem Mann. Wir fragen rasch, ob sie wüssten wo wir unterkommen können und alle drei sind sich einig, dass wir uns einfach irgendwo hinstellen sollen, das würde hier niemanden interessieren. Stimmt. Wen auch? Wir unterhalten uns kurz mit dem Paar und erfahren, dass sie sich hier ein ca. 217 Acres großes Grundstück gekauft haben. Das entspricht etwa 81 Fußballfeldern!
Wir sind überrascht, dass sich ein junges Paar mitten in der Wildnis ein -wie sie sagen- Feriendomizil bauen und könnten uns niemals vorstellen hier zu leben.
Wir entscheiden uns direkt vor der Kirche zu parken. Das macht alles noch ein wenig unheimlicher, aber oben im Zelt fühle ich mich sicher 😉

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Am nächsten Morgen weckt mich Jan früh. Er will fliegen. Na gut, ich quäle mich aus dem Bett und wir fahren noch ein gutes Stück weiter in die Wildnis. Dort sei eine große Wiese zum starten erklärte uns der junge Mann gestern. Hier habe vor einigen Wochen ein Musik Festival statt gefunden. Ein Musik Festival am A* der Welt? Unglaublich aber wahr. Wir kommen zur Wiese und finden überall Bierdosen und Müll vom Festival. Während Jan sein Zeug auspackt, kommt ihm die Idee, dass er bis Dease Lake fliegt und ich die 112km durch den Wald alleine zurück fahre. Gute Idee! Das spart Zeit und Jan kann ein gutes Stück fliegen und Strecke machen.

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Ich bereite mich auf die einsame Fahrt vor. Irgendwie komisch alleine zu fahren – eigentlich sitzt immer jemand neben mir. Ich komme mir in dem riesigen Auto einsam vor und schalte schnell Musik an. Ich werde es schon schaffen in Dease Lake anzukommen, denke ich.
Nach kaum 10 Minuten sagt mir Jan über Funk, dass er wieder landen wird, es sei zu windig zum Fliegen und die Wolken, die er am Horizont sehen kann, verheissen nichts Gutes. Er navigiert mich von der Luft aus, wo ich hin fahren soll und wir treffen uns auf einer Wiese im Wald.
Sofort düst eine Frau auf einem ATV mit Hund im Schlepptau auf uns zu. Sie hat Jan fliegen sehen und ist total begeistert. So etwas habe sie noch nie erlebt!

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Die Wolken am Horizont sorgen 1h später für einen Hagelsturm.

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Jan schießt nur 3 Fotos, dann landet er wieder.

Auf dem langweiligen Rückweg – ich bin froh, dass wir die Strecke nun doch zusammen zurück fahren – kommt uns ein Mercedes Sprinter mit großer ALEMANIA Aufschrift entgegen und hält neben uns. Das ältere Paar ist schon 2 Jahre unterwegs, unter anderem auch in Südamerika und gibt uns einige Reisetipps.

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Die Piste ist kein Problem …

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Bei solch einem Truck beten wir nur, dass keine Steine fliegen.

Jans Entscheidung nicht weiter zu fliegen war absolut richtig. Kaum sind wir in Dease Lake angekommen überrascht uns ein Hagelschauer. Jan hat sogar Bedenken, dass sich die Hagelkörner in tennisballgroße Hagelkörner verwandeln könnten, aber wir haben Glück und nach 5 Minuten ist alles vorbei.

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Jan schützt die Windschutzscheibe gegen den Hagelsturm.

Wir erreichen Yukon und finden eine Recreation Site – einen kostenlosen Campingplatz im Wald neben einem Fluß und freuen uns über die leichte Nachtplatz-Suche.

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Bevor wir nun tagelang durch die Wildnis des Yukon fahren, decken wir uns in Watson Lake mit Essen ein. Nicht, dass wir sowieso schon wegen der stolzen Preise in Kanada schlucken müssen, hier ist es noch teurer. Allzu viel kaufen wir also doch nicht, sollten damit aber einige Tage überleben.
Wir schauen uns den Sign Post Forest an – haben aber leider kein eigenes Schild dabei- und statten dem Visitor Center einen Besuch ab. Eine sehr freundliche Dame aus Deutschland, genauer gesagt Büttelborn, keine halbe Stunde von unserem alten Zuhause entfernt, gibt uns zahlreiche Infos und Broschüren. Wir wissen nicht was wir zuerst tun sollen. Als wir aus der Tür gehen, spricht uns ein älteres Ehepaar, ebenfalls aus Deutschland an.
“Seid ihr aus Darmstadt?”, fragt der Mann.
“Ja. Und ihr?”, frage ich.
“Klein-Gerau!” ist die Antwort. Ebenfalls nur einen Katzensprung vom ehemaligen Zuhause entfernt.
So klein ist die Welt! Die Beiden sind schon seit einem Jahr in Kanada & USA unterwegs, reisen aber ein wenig komfortabler mit riesigem Wohnwagen durch die Gegend.

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Auch bekannte Stadtnamen sind dabei: “Mainz!”

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47.000 mitgebrachte Schilder hängen hier!

Leider haben wir kein eigenes Schild dabei, das wir hätten aufhängen können.

Leider haben wir kein eigenes Schild dabei, das wir hätten aufhängen können.

Wir müssen wieder mal Duschen. Das kleine, aber feine Schwimmbad in Watson Lake können wir sehr empfehlen. Vor allem Kinder kommen voll auf ihre Kosten, aber auch wir hatten unseren Spaß mit ‘Tarzan Schwung Seil’ über dem Wasser, Tauchringen, einer Rutsche, einem Pappkajak und Luftmatratze.

Nachdem wir ausgiebig geplanscht haben, suchen wir den Yukon Government Campground (alle Yukon Government Campingplätze kosten 12 Dollar. Sehr fair!), grillen leckere Würstchen und gönnen uns eine Flasche Wein und ein kühles Bier für Jan.

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Der nächste Tag ist Fahren pur.

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Wir legen 440km zurück und erreichen einen Walmart – pünktlich zum Schlafen gehen. Der Parkplatz erinnert mehr an einen Campingplatz, als an einen Supermarkt Parkplatz. Überall um uns herum stehen Wohnwägen, Wohnmobile und umgebaute LKWs. Hier ist es offensichtlich erlaubt zu übernachten, das Fragen können wir uns sparen.

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Auf fast allen Walmart Parkplätzen ist Übernachten erlaubt.

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In Whitehorse treffen wir die meisten Globetrotter!

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In allen Varianten wird hier gereist.

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Meist könnte man eher von Schiffen reden, statt von Fahrzeugen.

Unser Reiseführer schreibt von einer Kanutour im Yukon. Wir überlegen und überlegen, ob wir das machen sollen – schließlich hatten wir auf den Bowron Lakes ne Menge Spaß. Auf dem Yukon gibt es allerdings einen Haken: Wir starten und enden nicht am selben Ort. Zur Auswahl steht ein Trip von Whitehorse bis Carmacks (320 km, 8 Tage) oder von Whitehorse bis Dawson City (736 km, 16 Tage!)
16 Tage auf dem Fluß und Verpflegung für so lange mitzuschleppen scheidet für uns aus. Der kürzere Trip reizt uns dagegen sehr. Wir berechnen die Kosten und kommen auf stolze 600$ für Kanuleihen, Equipment, Verpflegung und den Bus zurück nach Whitehorse. Ein teurer Spaß! Noch dazu sieht die Wettervorhersage für die nächste Woche schlecht aus. Regen, Wind, Wolken! 🙁
Wir entscheiden uns gegen die Paddeltour. Schlecht gelaunt lenken wir uns mit dem Einkauf von Lebensmitteln ein wenig ab.

Wir schlafen eine weitere Nacht auf dem “Walmart-Campingplatz” und kommen mit den anderen Globetrottern ins Gespräch. Ein Paar aus Florida gibt uns Tipps zu Alaska, ein anderes Paar aus Belgien findet unsere Reise total super und gesellt sich zu uns. Die Frau schwärmt von alten Zeiten, als sie auch noch mit einem kleinen Fahrzeug unterwegs waren. Heute reisen sie mit einem großen umgebauten MAN LKW. Ihr Mann unterhält sich mit Jan über verschiedene Fahrzeugdaten.
Am nächsten morgen kommt ein Mann auf uns zu weil er das Dachzelt klasse findet. Es stellt sich heraus, dass er vor einiger Zeit Kanutouren angeboten hatte und sich hier in der Gegend perfekt auskennt. Er bietet uns ein Kanu an und gibt uns einige Tipps. Trotzdem entscheiden wir uns aufgrund des miesen Wetters gegen das Paddeln. Den Rest des Tages verbringen wir mit der Homepage, lästigen Mails und organisieren die Weiterfahrt nach Alaska über Skagway, Haines und Juneau.
Später treffen wir, ebenfalls auf dem Walmart Parkplatz auf Reisende aus Deutschland. Sie kommen gerade aus Juneau und schwärmen von der Schnellfähre dort hin, bei der sie auch Wale gesehen haben. “Jan. Das will ich auch machen. Die Wale sehn!”, sage ich beeindruckt und freue mich auf die Weiterreise.

Neben dem Parkplatz ist eine Tankstelle mit Propan Füllanlage. Wir haben zwar keine Lust auf das Drama, brauchen aber Gas und versuchen erneut die Flaschen füllen zu lassen. Ich kann es kaum glauben: Der junge Mann schließt die Flasche an, schaltet die Füllanlage an, wartet 30 Sekunden und die Flasche ist voll.
“Komisch, warum war das jetzt so einfach?”, frage ich Jan.
“Ich hab keine Ahnung! Hauptsache es hat geklappt!” antwortet er.

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Das Stadtzentrum von Whitehorse

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Die “Kondike” …

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… ist ein alter Schaufelraddampfer.

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Inzwischen zum Museum umgebaut

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Der riesige Dampfer ist früher …

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… flussaufwärts bis nach Darwson Creek gefahren.

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Zunächst als Versorgungsschiff für die Goldsucher …

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Später als Vergnügungsdampfer

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“Reingucken will!”

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