Panamericana 2013

… irgendwo zwischen Alaska und Feuerland

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Wie ein Auto schwimmen lernt

Hamburg_Hafen

2. Versuch in Hamburg. Bis jetzt läuft alles wie geschmiert.

Das die Erde mit ziemlich viel Wasser bedenkt ist, merkt man beispielsweise dann, wenn man mit dem eigenen Auto auf dem Amerikanischen Kontinent herumkurven möchte. Die Karre muss einige tausend Kilometer über den Atlantic geschippert werden.

Trotz unserer Kenntnis über die geografische Lage Amerikas und einem frühzeitigem Abklappern verschiedener Logistik-Unternehmen, erleben wir ein kleines Drama.

Wir entscheiden uns für ein RoRo-Verschiffung, d.h. Roll on Roll off. Dabei wird das Fahrzeug nicht in einen Container verladen, sondern auf den eigenen 4 Rädern auf das Schiff gefahren. Quasi eine „Interkontinental-Fähre“.
Vorteil: Die Kosten für das Container packen und Verladen entfällt. Nachteil: Da das Fahrzeug nicht verschlossen ist bzw. von verschiedenen Reederei-Mitarbeitern gefahren wird, kann auch mal der ein oder andere Gegenstand im Auto „verloren“ gehen.

„Eigentlich muss das Fahrzeug leer sein“, erhalte ich telefonisch als Auskunft vom Logistikunternehmen unserer Wahl.
„Was heißt denn ,eigentlich‘?“, frage ich zurück.
„Nun ja, die Fahrzeuge müssen in der Regel leer angeliefert werden. Aber da schaut normalerweise keiner so genau nach.“, erklärt mir die freundliche Logistik-Mitarbeiterin.
Klingt gut. Ich schildere noch genau unser Vorhaben und dem dazugehörigen ganzen Camping-Gerödel, welches während der Verschiffung im Wagen sein muss, wenn es über den großen Teich geht.

Hamburg_Hafen

Unter den Fahrzeugen die nach Kanada sollen, sind wir eher ein “Kleiner”.

So brummen wir einige Wochen später an einem Freitags Richtung Bremerhaven. Die Laune ist gut, das Wetter beschissen. Man könnte meinen Bremerhaven sei in der Nordsee versunken, so schüttet es. Zwar hat mir Moritz eine Plane als zusätzlichen Regenschutz für den nagelneuen Gleitschirmmotor mitgebracht, aber als wir in Darmstadt losgefahren sind, hat noch die Sonne gescheint…
Ich sehe fröhlich durch das Glas-Schiebedach zu, wie in Strömen das Wasser an der Packtasche herunter plätschert. Ich mache mir Sorgen wie der Motor aussieht, wenn ich ihn in zwei Wochen auspacke.

Wir sind spät dran. Wie so oft. Um 22:00 Uhr macht der Hafen dicht. Das wird knapp.

Hamburg_Hafen

Diesmal sind wir korrekt für die Verschiffung vorbereitet.

Mona telefoniert mehrfach mit dem Hafen, um herauszufinden wo genau wir den Wagen abgeben müssen. Außerdem bestellen wir schon mal ein Taxi, dass uns anschließend an den Bahnhof fährt, denn die letzte mögliche Zug-Verbindung nach Darmstadt geht um 22:05.
Der Hafen kommt mir bekannt vor. Hier habe ich vor rund drei Jahren den Magirus Deutz aus Singapur abgeholt. Nutzt mir jetzt leider auch nichts. Wir sind zwei mal falsch.
Der dritte Anlauf wird uns durch rangierende Lokomotiven versperrt. Ich nutzte die Wartezeit und springe aus dem Auto. Nummernschilder wechseln. Wir haben zusätzliche Schilder dabei. Ohne Zulassung. Es heißt zwar, dass das Auto für die Fahrt in Kanada und USA angemeldet sein muss, aber merkt das jemand? No risk – no fun! Ist doch dämlich Steuern und insbesondere Versicherungsbeiträge zu zahlen, wenn die Versicherung in Übersee gar nicht zahlt.
Jedenfalls muss es für die Leute hinter mir merkwürdig ausgesehen haben, als ich an der Bahnschranke im Regen aus dem Auto springe und hektisch die Nummernschilder tausche.

Die Übergabe selbst ist dann schnell erledigt. Ich fahre das Auto durch eine Schranke, parke hinter einem Schuppen und lege dem Hafenmitarbeiter den Schlüssel auf den Tresen.
„Alle Wertgegenstände aus dem Fahrzeug?“, fragt er mich.
Nach einer kleinen Gedenkpause lüge ich ein „Ja …“ heraus.
„Okay. Den Fahrzeugschlüssel hätten Sie auch einfach auf den Beifahrersitz legen können.“
Spätestens jetzt wird klar, dass ,normalerweise leer‘ eher ,immer leer‘ ist.
Egal, die Kiste ist abgeliefert. Positiv denken!

Hamburg_Hafen

Wie gewünscht: Sitze und “Ladefläche” verpackt, alles aufgeräumt und ordentlich.

Das schon wartende Taxi bringt und gerade noch rechtzeitig zum Bahnhof. Rund 11 Stunden Zugfahrt später, um 9:00 Uhr, sind wir wieder im Darmstädter Hinterland angelangt.

Montag, drei Tage später. Das Telefon klingelt. Die freundliche Logistik-Mitarbeiterin: „Herr Riedel, ich wurde leider angerufen …“,
Eigentlich hätte ich jetzt schon auflegen können. Das ,leider‘ sagt schon Alles.
„Das Auto kann so von der Reederei nicht verschifft werden.“, erklärt sie. „Das ist voll mit Übersiedlungsgut“.
„Ach wirklich?!“, denke ich mir.
Halt, positiv Denken! Immerhin habe ich gerade ein neues Wort gelernt ,Übersiedlungsgut‘. Das kennt nicht mal meine Rechtschreibtkorrektur.

Rücksprachen und mehrere Telefonate folgen. Man ist bemüht, aber im Grunde bringt es uns nicht weiter. Uns bleibt nur die Option das Auto in einen sog. High-Cube Container laden zu lassen, da der Toyota mit montiertem Dachzelt in keinen Standard Seecontainer passt. Die Kosten wären gut doppelt so hoch wie geplant.

Kurzerhand habe ich noch eine andere Lösung klarmachen können. Seabridge, eigentlich das Unternehmen, welches wir hätten von Anfang an beauftragen sollen, schafft es in Windeseile uns noch auf ein Schiff einzubuchen, dass eine Woche später den Hafen verlässt. Allerdings in Hamburg und nicht in Bremerhaven.

Hamburg Hafen

Auch dieses Gefährt aus Heidelberg wartet auf die Verschiffung nach Halifax

So düsen wir einen Tag später 1.300km mit dem Auto meiner Eltern nach Bremerhaven, holen dort Toyota, liefern ihn in Hamburg am Hafen wieder ab und sausen wieder zurück nach Darmstadt.
Diesmal ist der Landcrusier als Wohnmobil eingebucht und wurde vorher per eMail mit Fotos von der Reederei als verschiffbar „abgenommen“. Warum nicht gleich so. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.
Bleibt zu erwähnen, das uns das Unternehmen ‘Seabridge‘ erstklassige Anweisungen und Unterlagen geschickt hat. Besten Dank hierfür!

Bis zum Tag des Auslaufens der ,Atlantic Concert‘ bleibe ich nervös. Doch als sich der kleine Pfeil auf der Schiff-Live-Tracking Webseite langsam Richtung Westen bewegt und das Telefon still bleibt, atme ich auf.
Positiv denken! Der Toyota wird sicher nicht irgendwo in Hamburg vergessen worden sein. 🙂